Rauf und runter auf dem Weg zur Küste

  • 3 mins read
  • Published

Achter Wandertag
Benia de Onís – Arangas (23Km)

Nachts fiel ein leichter Sprühregen, der alles feucht benetzte. Jetzt am Morgen liegt der Duft von wilder Minze und feuchter Eukalyptusrinde in der Luft.

Im ersten Dorf des Tages, Benia de Onís, begrüßt mich ein Hund, indem er aufgeregt im Kreis rennt und bellt, genau so, wie einer dieser Silvesterböller, die sich im Kreis drehen und Funken sprühen. Ich bin überrascht, dass der Hund nicht einfach Umfällt vor Schwindel. Auch als ich weiterlaufe, dreht sich der Hund immer noch wie wild im Kreis und bellt und bellt und bellt.

Der Weg wird nah an der Küste noch einmal richtig wild. Ich bin auf ausgetretenen Hirtenpfad unterwegs. Über mir segeln Schmutzgeier, die nicht viel größer sind als ein Milan, und tiefer unten im Wald überrasche ich ein Wildschwein bei der Futtersuche. Es quietscht auf und stürzt sich die steile Böschung hinab, um sich vor mir zu verstecken.

Wo ein Wildschwein ist, sind meistens mehrere. Ich warte noch ein bisschen und höre gespannt, ob noch irgendwo ein Zweig knackt oder Laub knistert. Aber ich höre und sehe keine weiteren Wildschweine.

Stattdessen sehe ich die schroffen Felswände der Picos de Europa, die 1500 m hoch in den Himmel ragen. Ihre Spitzen hängen in den Wolken fest, die heute so dick dicht sind, dass ich nicht einmal Sonnencreme brauche. Es ist kühl – so kühl, dass ich beim Sitzen fast einen Pulli anziehen muss. Es ist die perfekte Wandertemperatur!

Mir geht es zum Glück wieder wunderbar. Sellbst die Kopfschmerzen sind verflogen. Aber der Sicherheit halber lasse ich es trotzdem noch einmal ruhig angehen. Manchmal habe ich mich schon getäuscht, habe zu schnell wieder alles ausgereizt, und bin dann zur Strafe wieder krank geworden. Das soll diesmal nicht passieren.

Mein Pfad scheucht mich am späten Nachmittag nochmal durch vollkommen überwucherte Waldgebiete und wilde Blumenwiesen. In einer solchen Blumenwiese überrasche ich ein junges Füchslein beim Spielen: es schaut mich eine endlose Sekunde lang aus riesigen Augen an, dann springt es zwischen den gelben und Blumen davon.

Als ich abends im kleinen Dorf Arangas ankomme, schlage ich mein Zelt auf einem verlassenen Spielplatz auf. Die Bänke sind verrottet und teilweise zusammengebrochen. „Hier leben schon lange keine Kinder mehr“, sagte mir die alte Frau, die mir den Spielplatz als Zeltplatz vorgeschlagen hat.

Ich muss etwas Dornengestrüpp entfernen, um eine geeignete Fläche für mein Zelt herzustellen. Im Zelt entferne ich dann erstmal an die 50 Zecken von meinen Beinen. Ein gutes Dutzend hat sich schon festgebissen, und dort werden in den nächsten Tagen kleine rote Pickel entstehen, die schlimmer jucken, als ein Mückenstich. Immerhin glaube ich, dass ich alle der lästigen Blutsauger gefunden habe, und das auch noch, bevor sie allzu lange angebissen hatten.

Damit gibt es heute nichts mehr zu tun: Zum Abendessen gab es eine Nudelsuppe, und jetzt kann ich mit warmen Bauch zufrieden schlafen gehen. Gute Nacht und bis Morgen!

Author

Leave a Reply