880 Kirchen

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  1. Wandertag
    Playa de Portizuelo – Playa del Silencio

Als ich morgens aufwache, bedeckt noch immer der Geisternebel das Meer. Es duftet kräftig nach Eukalyptus, denn die ringsumliegenden Berge sind voller Eukalyptusbäume.

Dass man in einem solchen Nebel die Orientierung verliert, und ein Boot an der zerklüfteten Küste zerschellt, kann ich mir gut vorstellen.

An der Küste, wo das Meer an dem Schichtgestein nagt, haben die Menschen früher Schiefer abgebaut.

Ich laufe an einer alten Mine vorbei, und fotografiere die unwirklichen Felsformationen. Als ich wieder hinauf zum Trail steige, treffe ich einen Radfahrer.

Er ist Rentner und erzählt mir, dass er in drei Jahren sämtliche 880 Kirchen in Asturien besucht und fotografiert hat. Und das nicht mit dem Auto, sondern mit seinem Fahrrad. “Meine Freunde sagen mir alle, dass ich unbedingt ein Instagram Konto aufmachen soll”, sagt er mir. In der Tat, die sozialen Medien sind längst auch bei den Rentnern angekommen.

Der kirchenbegeisterte Rentner fragt mich, ob ich in Santiago war. “Nein”, antworte ich. “Warst du in Salvador…?”, fragt er mich. “Die Kathedrale von Oviedo heißt Salvador”, erklärt der Rentner, als er meine Verwirrung bemerkt. “Man sagt, die Kathedrale in Oviedo ist wie der Vater und Santiago ist das Kind. Und alle Pilger, die Oviedo auslassen, sehen in Wahrheit nur das Kind und lassen den Vater links liegen.”

“Dabei ist der Legende nach der erste Pilger von Oviedo aus nach Santiago gewandert. Das war König Alfons von Asturien im 9. Jahrhundert.”

Am frühen Nachmittag kommt der Nebel zurück. Der Wind treibt den Nebel vom Meer die steilen Felswände der Küste hinauf. Es sieht wirklich so aus, als hätte jemand eine Nebelmaschine direkt unter den Klippenrand gestellt. Der Nebel schießt vor dem blauen Hintergrund des Himmels in die Höhe, sammelt sich, wird immer dichter, bis ich schließlich durch eine Nebelsuppe laufe. Auf einen Schlag ist es 10° kühler, was ein Luxus!

Abends kehrt die Sonne zurück. Wieder einmal habe ich einen traumhaften Zeltplatz entdeckt.

Das einzige Problem ist, dass es keinen Fleckenebenen Boden gibt. Ich treffe noch eine nette Familie aus Ribadeo, die einige Jahre in Gent in Belgien gelebt hat und eine Mountainbike Tour entlang der Küste macht.

Nach einem warmen Tag mit viel Schweiß springe ich voller Freude ins Meer und wasche mir den Dreck von der Haut. Das Wasser funkelt und der Sonnenuntergang lässt die Felsen der Küste noch besser zur Geltung kommen.

Ich bin froh, dass ich einen guten Platz für mein Zelt gefunden habe. Die letzten Kilometer nach Santa Marina waren doch recht touristisch, was nicht ganz überraschend war.

Nahe Santa Marina befindet sich nämlich der berühmte Playa del Silencio, Von einer 100 Meter hohen Steilklippe hat man einen atemberaubenden Blick auf eine türkisblaue Bucht, umgeben von schieren Felswänden, wie die Caldera eines erloschenen Vulkans. Ich muss sofort an den Crater Lake in Oregon, USA, denken – obwohl dort die Dimensionen noch mal andere sind.

Ich schaue zu, wie sich die Farbe des Himmels von Blau zu Lila und schließlich in unterschiedliche Schwarztöne verfärbt. Irgendwann sehe ich kaum noch etwas. Ich höre nur noch das Meer. Zeit zum Schlafen.

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