Ich verabschiede mich von Edin und kaufe in einer nahgelegenen Bäckerei ein Gebäck namens Burek. Dieses Joghurtgebäck gibt es in allen möglichen Varianten, mit Hackfleisch, Käse oder Spinat gefüllt. Es schmeckt sehr lecker!
Gestärkt fahr ich durch die bosnisch-kroatische Grenzstadt Bihać. Auf einem Pass, auf dem über 1 m Schnee liegt, überquere ich die Grenze nach Kroatien. Oben auf dem Pass sind zwei Grenzbeamte und ein Bär.
Den Bär sehe ich nicht, aber seine Spuren sind im tiefen Schnee sehr deutlich zu sehen. Ein rotes Schild mit weißem Totenkopf warnt neben den Bärenspuren vor Minenfeldern in den Bergen. Den Bär stört das nicht. Bis jetzt scheint er ein gutes Gespür für den sicheren Pfad gehabt zu haben.

Edin hatte mich vor den ungeräumten Minen gewarnt.
Ich meinte, dass ich gerne einmal zum Wandern wiederkommen würde. Edin sagte: “sei vorsichtig!”
Die im Jugoslawien Krieg verminten Gebiete seien erst zur Hälfte geräumt. Außerdem gebe es viele Bären, fügte er hinzu. Die seien gefährlich.
Edin führte seine Aufzählung der Gefahren fort: “Im Herbst sind die Jäger unterwegs, die schießen auf alles, was sich bewegt. Klapperschlangen – davon gibt es auch viele in den Bergen. Die kommen raus, wenn es wärmer ist. Und im Winter, du siehst es ja, liegt zu viel Schnee.”
Kurz gesagt, es gibt nie die ideale Zeit zum Wandern. Vielleicht war Edin auch deshalb noch nie oben auf den hohen Bergen.
Von einem versteckten Flughafen erzählt mir Edin. Ein Flughafen, den Diktator Tito gebaut hat, der größte unterirdische Flughafen der Welt.
“Es gibt vier Landebahnen”, sagt Edin. “Drei davon sind offen. In der vierten lebt ein Bär.”
“Es lohnt sich, den Flughafen zu besuchen”, sagt er. “Sehr spektakulär!” Und er zeigt mir Fotos, mit seinem BMW vor den Tunneleingängen.
Die Luft riecht nach Rauch, die Menschen heizen mit Holz. Im Tal hängt eine graue Suppe.
Auf der Grenzstraße zwischen Bosnien und Kroatien fährt kaum ein Auto. Ich bin allein unterwegs. Ein altes Geschütz ragt links der Straße hoch in den bleigrauen Himmel. Ich habe bei diesem düsteren Wetter das Gefühl, dass das ganze Land unter einer dunklen Melancholie leidet. Als wäre das Leben eine kaum zu schulternde Last, und ein Lächeln eine herkuleanische Anstrengung.
Der Rest des Tages vergeht im Flug. Auf einer ruhigen Wiese, die von uralten, zerfallenen Steinmauern eingegrenzt wir, baue ich mein Zelt neben einer knorrigen Eiche auf. Mein Blick fällt auf Schneebedeckte Gipfel. Ein großer Topf Nudeln komplettiert den Tag.

