Der Grenzübertritt nach Bosnien verläuft reibungslos.
“Hast du etwas zu deklarieren”, fragt mich der Grenzbeamte.
“Nein”, sage ich.
Ich möchte nur Cavapcici essen…
In der Grenzstadt Velika Claduša esse ich dann ein bosnisches Cevapcici in einem Restaurant, das mir Marinas Vater empfohlen hat. Für 6 Euro bekomme ich eine große Portion.
In den Restaurants wird drinnen noch geraucht. Gewöhnungsbedürftig. Bei der dicken Luft wird mir übel.
Etliche Autos, vor allem die Schöneren, haben deutsche, österreichische oder Schweizer Kennzeichen. Viel Geld, das nach Bosnien fließt, wird im Ausland verdient.
Durch die Wälder fließen hingegen Bäche aus Tauwasser. Ich kann darin problemlos meine Wasserflaschen nachfüllen.
Abends suche ich wieder einen Platz zum Zelten, aber es gestaltet sich etwas schwierig. Viel Land ist abgezäunt. Doch zum Glück treffe ich Edin.
Edin kommt aus Rosenheim und ist über Ostern zu Besuch in seiner bosnischen Heimat.
“Vor einer Woche lag hier ein halber Meter Schnee. Auf dem Pass war es ein Meter!”, erzählt Edin.
“Passiert das oft?”, frage ich.
“Alle 2 bis 4 Jahre”, sagt Edin. “Aber so spät im Jahr eigentlich nie.”
Im Hintergarten knallt es, seine Kinder haben Spaß mit Böllern.
Ich frage Edin, ob ihm ein guter Zeltplatz einfällt.
“Hmmm, schwierig”, überlegt er.
Sein Vater gesellt sich dazu.
“Es ist kein guter Ort zum Zelten hier”, sagt er.
“Hier sind viele Migranten”, erklärt Edin. “Sie hängen hier rum, verstecken sich, und versuchen über die Grenze nach Kroatien zu kommen.”
“Manche von ihnen sind gefährlich!”
Edin macht eine Bewegung, wie jemand mit einem Messer zusticht.
“In der Stadt (Bihać) wäre es auch nicht besser”, meint Edins Vater.
“Also gut, wir haben da was”, sagt Edin pragmatisch. “Dann muss das alte Haus von Oma und Opa herhalten. Eigentlich wollen wir es abreißen, es ist kalt dort, aber auf jeden Fall besser, als draußen zu schlafen.”
Edin zeigt mir das Haus und bringt Tee und Knabbereien. Ich richte mich in einem Zimmer mit Holzboden ein.
Edin kommt nochmal und bringt eine extra Decke.
Als er meine dünne ISO-Matte sieht, bringt er eine dicke Luftmatratze.
Später kommt Edin nochmal, in seinen Händen ein Tablett mit warmem, selbstgemachtem Gulasch und saftiges Brot dazu. Kurz darauf erscheint er wieder, diesmal mit einem Heizstrahler.
Auf einmal wird das Zimmer sehr wohnlich. Und mit warmem Essen im Bauch werden meinen Augenlider ganz schwer.
Wie schön, dass es Menschen wie Edin gibt!


