Die nächste große Tour

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Eine Reise zur Wiege der Menschheit: Nach über 18 Monaten ohne längere Radreisen steht nun die nächste Tour in den Startlöchern. Ich werde ab Ende Januar von Münster bis ins südliche Afrika radeln. Meine Strecke führt mich durch Osteuropa in Richtung Türkei, Irak und die arabische Halbinsel. Von dort setze ich über auf den afrikanischen Kontinent und fahre südwärts, immer dem ostafrikanischen Graben folgend.

Es wird die wahrscheinlich längste Reise, die ich bisher unternommen habe. Ohne es genau vorhersagen zu können, gehe ich von etwa einem Jahr Reisezeit aus und über 20 000 Kilometern. Im europäischen Winter erwarten mich Kälte, Schnee und kurze Tage – in Äquatornähe dann drückende Hitze, eine sengende Sonne und wahrscheinlich die eine oder andere Schlammschlacht. Kann ich mich auf alles vorbereiten? Mit Sicherheit nicht. Das mir Mögliche habe ich aber getan.

Kocher, Kleidung für Kälte- und Hitzeextreme, Zelt und Isomatte sind wie auch in Südamerika dabei. Die Reiseimpfungen sind abgehakt, Malariaprophylaxe besorgt. Während ich in Südamerika mit Kettenschaltung unterwegs war, werde ich diesmal eine 14-Gang Rohloff Nabenschaltung verwenden. Die Hoffnung ist, dass sich damit weniger Wartungsarbeiten und Verschleißprobleme verbinden. Ich bin gespannt auf das Ergebnis – es ist ein Experiment.

Während der vergangenen Monate habe ich Arabisch gelernt, das sich während der Reise mit Sicherheit nochmal stark verbessern wird. Eine Reise durch Marokko hatte mir im Sommer 2023 schon einen kleinen Vorgeschmack auf die arabische Welt gegeben – damals allerdings noch ohne Arabischkenntnisse. Das wollte ich bei der nächsten Gelegenheit auf jeden Fall anders machen, sodass ich diesmal viel besser gerüstet bin. Ich freue mich schon auf die Gespräche!

Der Bürgerkrieg im Sudan bedeutet, dass ich von der Arabischen Halbinsel vermutlich nach Äthiopien übersetzen werde, um dort meine Reise durch Ostafrika fortzusetzen. Der Viktoriasee hat dabei eine besondere Bedeutung, denn dort war vor etwa 150 Jahren Bruder Hieronymus Baumeister, ein Ur-ur-ur Onkel von mir, als erster deutscher Afrikamissionar tätig. Von 1879 bis zu seinem Tod im Jahr 1898 lebte er am Viktoriasee. Ein alter Bericht über diese Jahre ist erhalten geblieben und schildert ausschnittsweise die Lebensbedingungen und Erfahrungen von Bruder Hieronymus am Viktoriasee. Es wird spannend sein, über ein Jahrhundert später auf den Spuren der Familiengeschichte zu wandeln und die Schilderungen von damals mit den Eindrücken von heute zu vergleichen!

Wo genau wird meine Reise enden? Das weiß ich noch nicht. Ich wusste auch bei keiner meiner anderen langen solo-Reisen, wo sie enden würden. Mir gefällt diese Offenheit und ich denke mir dann immer „when nothing is certain, anything is possible“. In diesem Sinne, lasst uns sehen, was alles möglich ist und wohin die Reise führt!

 

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