Entspannung oder Anspannung?

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Sechster Wandertag
Villamayor – Cangas de Onís (25Km)

„Estoy hecho polvo“, haben mir die Argentinier beigebracht. Ich bin verpulvert.

Eigentlich wollte ich heute davon berichten, wie gut gerade alles läuft. Keine körperlichen Wehwehchen, die Schultern gewöhnen sich langsam an den Rucksack, die Energiebilanz stimmt auch und ich habe weder Blasen noch schmerzende Gelenke. Mir geht es blendend!

Das war auch alles richtig so, bis heute Morgen. Angefangen hat es gestern spät abends mit einem Gewitter. Ich war schon in meinem Zelt, in einem wunderschönen Naturreservat, aber mit dem Blitzen und Donnern ist es mir doch schwer gefallen, einzuschlafen. Erst gegen 1:00 Uhr nachts bin ich auf dem unebenen Untergrund endlich weggenickt.

Als mein Wecker um 7:00 Uhr klingelte (das war schon später, als ich eigentlich los wollte, doch angesichts der Situation, wollte ich mir noch eine Stunde Schlaf gönnen), jedenfalls, als dieser Wecker klingelte, fühlte ich mich überhaupt nicht erholt. Ich habe nachts eine verstopfte Nase gekommen, und aufgewacht bin ich mit Kopfschmerzen.

Leider habe ich gestern im Supermarkt keine Haferflocken mit Trockenfrüchten bekommen, deshalb esse ich zum Frühstück pure Haferflocken. Selbst mit Zimt und Zucker gewürzt, schmecken mir die Haferflocken aber heute überhaupt nicht. Vielleicht wegen der verstopften Nase? Entsprechend schlecht ist es mir bekommen, und ich muss immer wieder einen Würgereiz unterdrücken.

Um die Liste des Jammers fortzusetzen, ist es heute brütend heiß geworden und der Weg verläuft hauptsächlich über asphaltierte Strecken.

Habe ich mich in den letzten beiden Tagen überanstrengt? Heute schleiche ich jedenfalls wie ein Rentner die Berge hoch. Mir ist abwechselnd heiß und kalt. “Hoffentlich kein Zeckenbiss, der das alles verursacht”, denke ich mir.

Zum Glück finde ich an meinem Körper keine verdächtigen Bissspuren. Obwohl ich mich nur sehr langsam fort bewege, mache ich doch Fortschritte, und am Ende des Tages, mit zwei Nickerchen eingerechnet, komme ich dennoch auf 25 km. Zugegebenermaßen: die Höhenmeter waren heute nicht so viele und dafür bin ich wirklich dankbar!!

Gegen 9:00 Uhr abends komme ich in Cangas de Onís an, eine Stadt, die lange die Hauptstadt von Asturien war.

Ich schlage mein Nachtlager auf einem schönen Picknickplatz auf und unterhalte mich noch kurz mit einer Familie aus Rumänien, die seit 17 Jahren in Spanien wohnt. Aus einem mitgebrachten Lautsprecher schallen die größten spanischsprachigen Hits der letzten Jahre. Die Familie feiert den Geburtstag der kleinen Tochter, die heute zwei wird.

Bei dem Mann, der als Bauarbeiter arbeitet, hätte ich nicht gedacht, dass er Ausländer ist. Sein Spanisch klingt für mich wie aus dem Mund eines Muttersprachlers. Vorteilhaft ist bestimmt, dass Rumänisch und Spanisch beide zu den romanischen Sprachen gehören, und die Aussprache nicht so unterschiedlich ist.

Zum Abendessen gibt es für mich nur etwas ganz einfaches: Nudeln mit Tomatenpaste. Für ein Essen mit Olivenöl oder Thunfisch fühle ich mich noch nicht in der Lage. Ich bin todmüde, und bevor ich überhaupt meinen Schlafsack um mich gewickelt habe, sind die laute Musik und die Gespräche der feiernden Menschen schon verschwunden und ich bin an einen tiefen Schlaf gefallen.

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