Glücklich Heimkehren

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  1. Wandertag

Playa de las Espinas – Flughafen Asturien

Mein Frühstück ist heute aus meinen letzten Nudel und Tomatensoßen Vorräten entstanden. Bei Nieselregen und tiefhängenden Wolken, ein richtiges Hexenwetter, baue ich mein Zelt ab und kratze meinen Topf mit Nudeln aus. Dann verabschiede ich mich von Dascha und ihrem Hund Thunder, die noch den Regen aussitzen wollen.

Das nächste Dorf liegt ganz in der Nähe. Beschwingten Schrittes laufe ich los. Das Gelächter der Möwen schallt durch die Luft, als ich nach einer knappen halben Stunde San Esteban erreiche.

Einige herrschaftliche Paläste überblicken den Rio Nalón, der hier in das Kantabrische Meer fließt. Ich laufe vorbei an blühenden Oleanderhecken und Zitronenbäumen voller reifer Früchte. An den Zitronen sehe ich, dass es doch schon fünf Wochen sind, seitdem ich nach Asturien gekommen bin. Als ich Asturien erreichte, waren die Zitronen noch nicht reif. Jetzt sind die Früchte fett und gelb.

Ein Fischkutter fährt mit Volldampf hinaus aufs Meer und zieht eine schäumende weiße Spur hinter sich her. Der Regen hat nachgelassen aber die mit Wasser schwangeren Wolken küssen trotzdem fast das Meer.

Jede halbe Stunde höre ich, wie ein Flugzeug von der nahegelegenen Startbahn des Flughafens abhebt. Die Maschinen sind sofort in den tiefhängenden Wolken verschwunden.

San Esteban bekommt nicht so viel vom Tourismus ab. Der Jakobsweg streift das Dorf nur, und viele Gebäude sind marode. Es waren einmal bessere Zeiten – das sagen mir zumindest die Paläste, an denen ich vorbeigekommen bin.

Aber auch die Vergangenheit wird oft zu sehr glorifiziert. Wie sagte es John Steinbeck: “Nichts vergoldet die Vergangenheit besser als ein schlechtes Gedächtnis.”

Darüber habe ich mich mit einem deutschen unterhalten, der seit 27 Jahren hier an der Küste lebt. Der Liebe wegen. Gebürtig kam er aus dem Ruhrpott, Oberhausen, aber da ist nach so langer Zeit nichts mehr, wie in seiner Erinnerung.

“Dieses Oberhausen gibt es nicht mehr”, erzählt er mir. “Ich vermisse dieses alte Zuhause nicht mehr. Es lohnt sich nicht, zurückzukommen, wenn ohnehin alles anders ist.”

Hinter San Esteban überquere ich den Rio Nalón und komme an dem Castillo San Martín vorbei, eine alte Burg, die auf Fundamenten aus der Römerzeit steht, die ihrerseits auf einer Siedlung aus der Eisenzeit errichtet wurden. Zwischen dem Flughafen und mir liegt jetzt nur noch ein bewaldeter Berg, den ich auf dem Jakobsweg überquere.

Um kurz vor 13:00 stehe ich schließlich vor dem Flughafen Terminal. Ich bin ein glücklicher Wanderer gewesen. Jetzt werde ich ein glücklicher Heimkehrer sein.

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