- Wandertag
Castro – Santalla de los Ozcos (25 Km)
Heute ist ein besonderer Tag. Ich laufe heute meine letzte Etappe auf dem GR 109. Dann habe ich insgesamt 500 km, 19.250 Höhenmeter und damit ganz Asturien von Ost nach West durchquert. Es ist erstaunlich, welch eine Strecke ein Mensch zu Fuß in unter drei Wochen zurücklegen kann. Welch eine Fülle an Erlebnissen, Begegnungen, und neuen Lernerfahrungen in 20 Tagen stecken kann.
Ab Castro bin ich wieder der einzige Wanderer. Über einen ausgesetzten Weg an einem Flusslauf entlang, der mit Schieferplatten ausgelegt ist, schlängele ich mich dem Flusslauf folgend in Richtung Santalla d‘Oscos.
Die Felsen strahlen die Hitze unbarmherzig zurück, und der Schweiß fließt mir in Bächen Stirn und Rücken hinab.
Der Boden unter meinen Füßen ist von trockenen Nadeln der ringsumstehenden Pinien bedeckt. Zum ersten Mal fällt mir auf, dass die Zapfen der Pinien direkt am Stamm wachsen (oder auch an einigen Hauptästen).
Vom Boden steigt mir der warmen Luft der Duft der Nadeln in meine Nase. Dieser Duft versetzt mich zurück nach Würzburg, in den Wald über Erlabrunn, wo ich häufig mit dem Mountainbike unterwegs war.
Dort standen Kiefern und ich blickte hinab in das Maintal. Wenn es heiß war und die Hitze vom Weinberg in den Wald stieg, dann trug der heiße Wind den gleichen Duft von Nadelbäumen. Dieser Duft macht mich immer sofort glücklich, er ist für mich ein Duft von Freiheit.
Duxemiel – Imkereibetrieb
Einige Kilometer später. Ich sehe ein Schild, das auf einen Imker verweist. Ich laufe dem Pfeil nach und treffe schnell auf einen Mann, der vor einer Haustür sitzt und raucht.
Er heißt Juan und ist der Imker. Juan zeigt mir sein Lager, in dem gerade 3000 Kilo Honig lagern. Der Honig wird in großen Metalltrommeln und einem 500 Kilo Plastikfass aufbewahrt. Juan hat 400 Bienenstöcke und meint, dass er in diesem Jahr mit etwa 5000 Kilo Honigertrag rechne.
„Was macht die Hitze mit den Bienen?“, frage ich Juan. „Die produzieren deutlich weniger Honig“, sagt der Imker. „Die Bienen ventilieren ihren Stock. Dort drin ist die Temperatur immer konstant auf 36°. Aber natürlich: je wärmer es ist, umso mehr Energie geht in die Temperaturregulation, und je weniger Honig wird produziert.“
Ich spreche Juan auf die asiatischen Riesenhornissen an. „Das ist unterschiedlich“, sagt Juan. „Sie sind ein Problem, aber für uns ist das viel größere Problem der Parasitenbefall durch Variolen.“
In einem früheren Blog hatte ich geschrieben, dass die Riesenhornissen den ganzen Bienenstock töten – einfach so. Das erzählte mir damals die Wirtin in einer Kneipe.
Juan korrigiert diese Aussage: „Die Hornissen gehen in den Stock, töten Bienen, nehmen Sie mit in ihr Nest und essen sie dort. Sie suchen nach Proteinen. Die Konsequenz ist natürlich schon, dass sie einen ganzen Bienenstock ausrotten können.“
Juan hat mir viel erklärt – fehlt noch die Honigprobe. Leider machte der Honig auf mich keinen starken Eindruck. Er hatte für mich den Charakter eines Supermarkthonigs, ohne interessante Geschmacksnuancen.
Von der Imkerei sind es nur noch 3 km bis Santalla d‘Oscos, wo ich einen Schlafplatz suchen werde. Kleine Skulpturen von Waldtieren zieren den Wegesrand.
Ich baue mein Zelt unter zwei Birken in einem ruhigen Park mit Picknickbänken auf. Am Rand des Areals fließt ein Fluss entlang, der einige Wasserfälle hat. Unter einem dieser Wasserfälle ist ein großes, überraschend tiefes Becken entstanden, in dem man schwimmen kann und ich mit den Füßen nicht den Boden berühren kann.
Nach meinem Abendessen streife ich meine Klamotten vom Leib, und wasche den Dreck der vergangenen Tage von der Haut. Ein herrliches Gefühl, in dem eiskalten Wasser zu treiben!
Frisch gebadet, schlüpfe ich in meinen Schlafanzug und schlafe friedlich ein, bis um halb eins nachts wildes Gebrüll meine Nachtruhe stört.
Eine Gruppe betrunkene Spanier ist am Picknickplatz angekommen und geht zu dieser späten Stunde nackt schwimmen. Einer der Jungs schreit die ganze Zeit wie ein Irrer. Nach einer halben Stunde verziehen sich die Besoffenen zum Glück und ich freue mich, wieder schlafen zu können.
