Kuchen im Kloster

  • 3 mins read
  • Published

Und wieder strahlt die Sonne

Doch erst zur Nacht.

Alles ist totenstill. Auf einmal höre ich aus der Ferne ein Rauschen, wie ein heranrasender Zug. 

Es wird immer lauter! Aus dem Nichts, keine Wolke am Nachthimmel, rollt eine Walze aus Wind über die Landschaft, reißt und zerrt an meinem Zelt, als würde es jedes unnatürliche Gebilde vom Angesicht der Erde reißen wollen. 

Zehn Sekunden später und alles ist wieder still. Woher dieser plötzliche Orkanwind kommt? Es ist wirklich, als würden die Geister des Mittelalters nachts durch die Landschaft fegen. Weit ist es nicht zu Geisterglaube und Ähnlichem. Die Natur bietet Anlass genug.

Gegen Mittag: Ein Kloster am Wegesrand. Die Mönche sitzen draußen im Garten. Für die Klosterbesucher sind Gebäck und Kaffee ausgelegt. 

Die serbisch-orthodoxen Mönche fasten, es ist für sie noch die Vorosterzeit. 

„Iss nur, du musst radfahren“, fordert mich der Abt auf, mir noch ein Nuss-Schokoladen Stückchen zu nehmen. 

Dieses Jahr ist für die serbisch-orthodoxen Christen Ostern am 12. April, da sie dem Julianischen Kalender folgen. 2025 lagen ausnahmsweise die Osterfeste der beiden (Kath/Ev & Orthodoxen) Kirchen auf demselben Datum.

Wir sitzen unter einem Nussbaum, die Vögel zwitschern. In einer Ecke des Klostergartens blüht ein Kirschbaum. In der bunt bemalten Kapelle riecht es nach Weihrauch, einfallendes Licht bildet sichtbare Fächer. 

Es sind noch einige andere Besucher da, auch ein kroatisches Pärchen, das in Stuttgart lebt. 

Mit den Mönchen kann ich nur wenige Worte wechseln – sie sprechen kein Englisch oder Deutsch, und ich kein Kroatisch (Besser gesagt, Serbokroatisch. Diese Sprache wird in vielen Ländern des Balkans gesprochen, markante Ausnahme ist Albanien)

Ich tausche an einer Picnicstelle neben einem Fluss Vorder- und Hinterreifen miteinander, um den beschädigten hinteren Mantel zu entlasten. Zum Glück zeigt sich, dass der Riss nur oberflächlich ist. 

Spätnachmittags gegen 18:00 frage ich an einer kleinen Ansammlung von Wohnhäusern nach Wasser. Zwei Hunde bellen mich an. 

Um mich herum hüpfen acht neugierige und aufgeregte Kinder, Jungs und Mädchen, im Alter zwischen drei und zwölf. 

Ich frage nach Wasser, aber die drei erwachsenen Frauen, die dabei sind, verstehen kein Englisch. Eine spricht ein bisschen Deutsch. 

Einer der Jungs, ein Achtjähriger, ergreift das Wort. Er redet mit mir auf Englisch. 

“Wie hast du Englisch gelernt?”, frage ich ihn. “Mit Videospielen”, sagt er mir. 

“Wie heißt du”, frage ich. 

“Marino”, sagt der Junge. 

“Schön, dich kennen zu lernen, Marino. Ich heiße Lukas. Sind das hier deine Freunde oder deine Familie”, frage ich. 

Marino zeigt auf drei Mädchen.

“das sind meine Schwestern”, sagt er. “Die anderen sind meine Cousins und Cousinen.”

“Wie kommst du denn über die Grenze”, fragt mich Marino. 

Interessante Frage.

“Mit meinem Pass”, erkläre ich. “Den halte ich hin, der Grenzbeamte gibt mir einen Stempel, und ich kann weiterfahren.”

“Ach so”, sagt Marino. 

Ich bin etwas überrascht, dass er nicht weiß, wie ein Grenzübertritt funktioniert. Er wohnt ja gerade einmal 500 m von der Grenze entfernt. War er etwa noch nie auf der anderen Seite?

Marinos Mutter kommt mit meinen beiden Wasserflaschen zurück. 

“Meine Mutter spricht kein Englisch”, entschuldigt sich Marino. 

Ich sage auf Kroatisch “danke” und verabschiede mich. Ich möchte noch eine halbe Stunde fahren, bis ich mein Nachtlager aufschlage.

Author

Leave a Reply