Es ist einmal mehr ein sonniger Tag. Heute erreiche ich Mostar. Auf dem Weg dorthin, etwa 40 Kilometer von Mostar entfernt, überholt mich ein rotes deutsches Auto. “Gute Reise”, ruft jemand.
Nanu, woher die wissen, dass ich deutsch bin?
In der Abendsonne erreiche ich Mostar. Ich schiebe mein Rad über die berühmte Brücke, mache einige Fotos, und genieße die Stimmung und das Stimmengewirr aus unterschiedlichen Sprachen.

Die Sonne neigt sich dem Horizont zu und ich möchte etwas außerhalb der Stadt zelten.
In einer untouristischen Seitenstraße ruft auf einmal jemand: “Da bist du ja!”
Ein Pärchen mittleren Alters läuft breit grinsend auf mich zu.
“Wir haben uns schon gefragt, wo du bleibst!”
“Das muss ein Irrtum sein”, sage ich. “Mich erwartet hier niemand.”
“Doch! Wir!”, widersprechen die beiden.
“Erinnerst du dich? …wir haben dir gute Reise gewünscht, aus dem Auto.”
Da macht es Click.
Der Film spielt sich vor meinem Auge ab. Zwei Stunden zuvor, auf einer Landstraße. Ein roter Caddy mit deutschem Kennzeichen fährt vorbei.
“Gute Reise!”, ruft der Beifahrer aus dem Fenster.
“Danke!”, rufe ich zurück, aber das Auto ist schon hinter der nächsten Kurve verschwunden.
Jetzt haben meine Wohlwünscher auch Namen und Gesichter. Sie heißen Marian und Janna und kommen aus Dresden. Den denkwürdigen Zufall halten wir mit einem Foto fest, dann verabschieden wir uns.

Ich stelle mein Zelt auf einem Sportplatz hinter Mostar auf. Dort unterhalte ich mich noch mit einigen Läufern, koche mein Abendessen und lege mich schlafen.
“Der Platzwart ist entspannt”, sagt mir eine Frau.
Ich werde mich morgen trotzdem um 7 auf’s Rad schwingen, bevor der Platzwart kommt und ich eine möglicherweise unangenehme Überraschung erlebe.

Ein freilaufender Hund überwacht mein Zelt.

