Bieber (Spessart) – Würzburg
Meine Nacht auf Schnee war recht gemütlich. Zwar kriecht die Feuchtigkeit durch den Zeltboden, doch ich weiß mir zu helfen und breite eine dünne Notfalldecke zwischen Isomatte und Schlafsack aus.
Am Morgen stelle ich fest, dass die Beschreibung “Wasserdicht” doch nicht so richtig auf die Notfalldecke zutrifft. Mein Schlafsack ist feucht. Aber ohne die Decke wäre er wahrscheinlich nass.
Vielleicht ist mein Zeltboden nicht mehr ganz so dicht, wie er es mal war. Ohnehin überlege ich, ob es nicht besser wäre, ein freistehendes Zelt mit mehr Netzanteil im Innenzelt zu kaufen. Bei der schwülen Hitze Afrikas könnte das sinnvoll sein, da es sonst im Zelt unerträglich heiß wird.
Doch zurück zum Spessart. Die Straßen sind ruhig, der Himmel grau, die Tannen biegen sich unter der Last des feuchten Schnees.
Die erste Hälfte meiner Tagesstrecke ist noch bergig und oben auf der Höhe erlebe ich sogar einen kurzen Schneeschauer. Bald darauf fällt Regen, der aber auch nicht lange anhält.
Unten im Maintal rolle ich entspannt die letzten 40 Kilometer nach Würzburg rein. Nur bei den noch zugeschneiten Stellen des Weges muss ich aufpassen, denn dort kommt das vollgepackte Rad schnell ins Schlingern.
Ich sehe viele Bussarde auf der Jagd. Unter der Schneedecke haben sie wahrscheinlich nicht so viele Mäuse gefunden und haben jetzt mächtig Hunger.
Im Winter sind die Federn der Bussarde heller. Einer fliegt vor mir im Tiefflug über den Weg. In seinen Krallen hält er, was aussieht wie ein Stück Brombeerhecke. Als der Bussard über den Zaun am Wegesrand gleitet, bleibt das Gestrüpp in seinen Krallen am obersten Zaundraht hängen. Den Greifvogel scheint es nicht zu stören und er setzt seinen Flug fort, als wäre nichts gewesen.
Ich fahre am Main an Veitshöchheim vorbei, und suche kurz unser ehemaliges Haus am Hang. Gegen 15:30 tauchen dann die Kirchtürme von Würzburg vor mir auf. Ich bin angekommen. Mein Freund Felix beherbergt mich, und Felix Eltern verwöhnen uns sogar mit einem Rehbraten. Was habe ich wieder für ein Glück!
Morgen fahre ich weiter nach Rothenburg ob der Tauber, wo ich bei den Großeltern von Felix übernachten werden – wie übrigens auch auf meiner Europatour. Ich freue mich schon auf das Wiedersehen.

