Tag 18: Allgäu und Dschungelcamp

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Tag 18 – Von Neckarsulm ins Allgäu.

Heute fahre ich Zug. Mit der Bahn geht es von Heilbronn über Stuttgart nach Marktoberdorf im Allgäu. Im Allgäu besuche ich meine Großtante.

Mein Tag beginnt in Neckarsulm mit einem reichen Frühstück, inklusive selbst gemachter Quittenmarmelade und selbst gemachtem Quittengelee. Köstlich.

Die vier Stunden im Zug vergehen schnell: Die Bahn ist pünktlich, die Schaffner freundlich und die Umstiege mit dem Rad kein Problem. Von Marktoberdorf radle ich entspannt die letzten 25 Kilometer zu meiner Großtante.

Endlich erblicke ich die Berge am Horizont. Ich sehe den markanten Gipfel vom Säuling,  2000 m hoch. In der Nachmittagssonne fängt der Schnee auf der Bergflanke an, golden zu leuchten. 

Auf meinem Radweg begegnet mir zunächst eine schwarze Katze mit leuchtend grünen Augen und wenig später ein hochgewachsener Mann mittleren Alters, der eine junge Stute ausführt. Der Mann läuft neben dem Pferd her und fragt mich, ob ich eine weite Reise vor mir habe. 

„Ja, ich fahr nach Afrika”, sage ich. 

„Du bist verrückt”, antwortet der Mann. 

Doch im Laufe unseres Gesprächs stellt sich heraus, dass auch mein Gesprächspartner reiselustig ist. Zwei Jahre war er zusammen mit seiner Frau im Expeditionsmobil unterwegs. Vor kurzem sind sie zurückgekommen. 

Wo ich herkomme, fragt der Mann. 

Als ich Münster sage, erzählt er, dass er eine Tochter hat, die eineinhalb Jahre auf einem Gestüt in Münster-Senden gearbeitet hat. Seine andere Tochter sei noch weiter weg, in Australien, seit drei Jahren. 

Gerade arbeitet sie als Assistentin im Dschungelcamp, Nachtschicht, bringt den Kameraleuten Essen und so weiter. „Es gibt gutes Geld”, sagt der Mann. Ungefähr 4500 Euro für drei Wochen.

Einmal im Jahr müsse seine Tochter für einige Wochen soziale Arbeit machen, damit sie ihr einjähriges Work & Travel Visum verlängern könne. 

„Sie war fast fertig mit dem Lehramtsstudium”, erzählt mir der Mann. „Sie musste nur noch das Referendariat machen. Da hat sie sich entschieden, erst mal das Abenteuer zu suchen.”

„Ja, Afrika war mir dann doch ein bisschen zu heikel”, fängt der Reiter an, mir über seine eigenen Abenteuer zu erzählen. „Aber nach Marokko sind wir gefahren, bis an die Grenze zu West Sahara. Da haben die marokkanischen Polizisten Theater gemacht. Ich hatte hinten auf der Scheibe von meinem Expeditionsmobil eine Weltkarte, auf der die Grenze zur Sahara noch eingezeichnet war. Aber in Marokko gibt es Westsahara als Land nicht, es gehört dem Selbstverständnis nach zu Marokko. 

„Entweder ich drehe um, oder ich mach mit einem Edding die Grenze auf der Karte weg, forderte der Grenzbeamte.”

„Ja, da denkt man, man spinnt”, sagte der Mann kopfschüttelnd. „Ich hab dann also mit dem Edding die Grenze weggezeichnet und dann waren die Beamten zufrieden. Verrückt!” 

„Ja, man glaubt es kaum, aber die zwei Jahre im Expeditionsauto waren die günstigsten in unserem Leben”, erzählt mir der Mann und wünscht mir eine gute Reise. 

Wenig später klingel ich bei meiner Großtante und werde mit einer warmen Umarmung empfangen. Heute Abend gibt es selbstgemachte Käsespätzle! Und Morgen mache ich einen Ruhetag. Ich muss meine Bremsen neu justieren und die Kette nachspannen. Außerdem möchte ich meine Gepäckverteilung etwas anpassen.

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This Post Has 4 Comments

  1. Susanne Treacy

    Ich freue mich auf den naechsten Bericht!

  2. Tanja Pleitz

    Gute Reise Lukas.
    Es ist eine Freude deine Berichte zu lesen.
    Wir werden Sie fleißig verfolgen.
    Tanja und René senden dir Grüße aus Südamerika/ Chile

    1. Lukas Baumeister

      Danke Tanja! Ich wünsche euch noch weiter eine tolle Reise und hoffe, dass ihr von den Feuern in Patagonien einigermaßen verschont geblieben seid. Viel Spaß in Chile und viele Grüße!

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