In meiner Schlafkammer unter dem Dach habe ich herrlich geschlafen! Es ist Samstag, deshalb können wir ausschlafen. Doch während ich noch selig schnarche, ist Claudia schon in den eiskalten Starnberger See gesprungen und hat Frühstücksemmel besorgt. So starte ich mit viel Energie in das letzte kleine Teilstück nach München, eine etwa 35 Kilometer lange Etappe, die mich größtenteils an der Isar entlangführt.
Ich habe diesen Blog nicht ohne Grund Hungry Bikepacker genannt, sondern in Anspielung auf den großen Hunger, den das Radfahren macht. Beim Frühstück erzählt mir Bernhard von seinen Erfahrungen mit etwas ganz anderem, nämlich dem Fasten, in seinem Fall zwischen 7 und 10 Tagen ohne Essen. Ich habe selbst noch nie gefastet. Nur einmal während des Studiums habe ich 36 Stunden nichts gegessen, um mal zu sehen, wie sich das anfühlt. Festgestellt habe ich, dass ich vor lauter Magenknurren nicht gut schlafen konnte und mich am nächsten Morgen nicht erfrischt gefühlt habe. Aber das hat mit ernstzunehmendem Fasten noch nichts zu tun.
Bernhard erzählte, dass ihn das Fasten nicht nur körperlich, sondern auch geistig in andere Zustände führt. Jedes Fasten sei anders, sagte Bernhard. Manchmal erlebe er dabei Momente extremer Klarheit und Kreativität, entdeckt Lösungen. Andere Male habe er eine außergewöhnliche Verbundenheit mit seiner Umgebung gespürt, etwa mit einem Vogel, der zum Fenster hineinschaute. Manchmal verbinde er das Fasten mit einem Klosteraufenthalt, erzählt Bernhard. „Wenn nach dem Berufsleben keine lange Abenteuerreise wartet, dann wäre es auch spannend, längere Zeit in einem Kloster zu leben“, sagt Bernhard.
Der Moment des Abschieds ist gekommen. Bernhard holt noch seine Kamera und wir nehmen einige Fotos auf, wie ich auf meinem vollgepackten Fahrrad die Straße hinauffahre. Eine letzte Schleife, dann umarmen wir uns und ich rolle den Berg zum Starnberger See hinunter. Es war wunderschön, Bernhard und Claudia kennenzulernen und wenn ich auf der Rückreise wieder in Starnberg vorbeikomme, ist ein Besuch gewiss.

Am Ufer vom Starnberger See mache ich einige Fotos, als hinter mit eine Joggerin stehen bleibt und wütend telefoniert. Beziehungsstreit in der Öffentlichkeit, Lügen wirft sie ihm vor. „Du alter Sack, du hast so ein Glück mit einer Frau wie mir zusammen zu sein“, sagt sie wütend, während einige Spaziergänger stehen bleiben und so tun, als wären die Wolken am Horizont auf einmal unfassbar spannend geworden. Das Gezeter geht weiter, ich klicke mich in meine Pedalen ein und fahre in Richtung Isar. Eine schöne Serpentinenstraße führt mich ins Flusstal. Ich fahre durch den Münchner Nobelvorort Grünwald, vorbei an alten und neuen Villen und mehreren Händlern für Luxusautos.

Am Marienplatz treffe ich meinen Freund Jack, der mit mir in Würzburg zur Schule gegangen ist und nun in München arbeitet. Jack zeigt mir die Innenstadt und den Viktualienmarkt, auf dem alle möglichen Feinschmeckerstände verteilt sind. Dazwischen sind kleine Bronzefiguren zu finden, Abbildungen von echten Personen, die früher viel Zeit am Viktualienmarkt verbracht haben und nun in Bronze verewigt sind. Die Kaffeerösterei sei sehr empfehlenswert, erzählt Jack. Die Schlange davor ist so lang, dass wir uns aber dagegen entscheiden und stattdessen ein anderes Café aussuchen.

Am frühen Abend radle ich zum Olympiapark, wo mein Studienfreund Marco lebt, mit dem ich während meines Bachelors in Maastricht viel trainiert habe. Wir kochen gemeinsam asiatisch; Reis mit Hühnchen, grünen Bohnen, Ingwer und Sojasauce. Ein Mitbewohner in Marcos WG ist über das Wochenende verreist und ich kann für zwei Nächte sein Zimmer übernehmen. Morgen steht Eisbaden im Englischen Garten auf dem Plan. Marco möchte 15 Minuten drinbleiben. Mal schauen, wie lang ich im Wasser bleibe.

