Samstagabend essen Pascal und ich Nudeln mit Gorgonzolasauce und Brokkoli. Morgen wird Pascal zu meinen Großeltern in Usingen fahren, da er einen Kunden im Odenwald besuchen muss. Wir diskutieren beim Abendessen, ob ich mitkomme und von dort aus mit dem Zug nach Münster fahre. Eigentlich möchte ich weiterfahren, doch ich beobachte schon seit über einem Monat eine Beule an meiner Leiste und langsam möchte ich doch wissen, was dahintersteckt. Mir geht es bestens, ich habe körperlich keine Beschwerden und die Beule hat sich in den letzten Wochen auch nicht verändert. Trotzdem beunruhigt mich langsam die Tatsache, dass sie immer noch da ist.
Da Pascal morgen ohnehin nach Norden fährt, kann er mich problemlos mitnehmen. Gleichzeitig weiß ich, dass sich durch die Untersuchungen meine Reise mit Sicherheit um 3 bis 6 Wochen verzögern wird. So kurz nach Beginn der Reise wieder nach Hause zu kehren, hatte ich eigentlich nicht vorgehabt. Gerade komme ich so langsam in den Rhythmus, und dann wird alles wieder unterbrochen. Sollte ich vielleicht nicht einfach weiterfahren und hoffen, dass sich die Sache von selbst erledigt?
Andererseits merke ich, dass mich der Knoten in der Leiste beschäftigt. „Und wenn’s was Ernstes ist, wirst du es bereuen, dass du weitergefahren bist“, gibt mein Bruder zu bedenken. So leicht wie jetzt wird es auf der Reise nicht wieder sein, meine Leiste abzuklären. Ich hadere noch kurz mit mir und meinem Ehrgeiz, die Reise fortzusetzen. Dann sehe ich ein, dass Pascal recht hat. Und was sind schon ein paar Wochen, wenn ich mir dafür ein ruhiges Gewissen erkaufe? Also fahre ich morgen nach Münster, lasse dort meine Leiste untersuchen und kehre dann wieder zu meinem Fahrrad zurück, das ich bei Pascal in Arnstorf lassen werde.
Ich bin gespannt, wie schnell die Mühlen der Medizin mahlen. Immerhin werde ich dann pünktlich zum Geburtstag meiner Mutter in Münster sein. So kann ich der ganzen Geschichte doch etwas Positives abgewinnen.

