Mittwoch, der 21.01.2026
Ruhetag. Eine leckere Lasagne, gemütliches Lesen und ein lustiger Spieleabend. Was wünsche ich mir mehr?
Donnerstag, der 22.01.2026
Bad Kreuznach – Usingen (102 Kilometer, 1322 Höhenmeter)
Nach einem leckeren und ausgiebigen Frühstück (Müsli mit Obst, dazu noch Brot mit Quark und Marmelade), verabschiede ich mich von Diethelm und Hildegard. Meine Beine fühlen sich herrlich frisch an und obwohl es frühs -5 Grad war, spüre ich die Kälte überhaupt nicht. Die Sonne scheint und schon bald befinde ich mich inmitten von Weinreben oberhalb des Rheins.
Am Boden glitzert noch der Frost, der nach und nach von den sonnigen Flecken verschwindet. An der Schiersteiner Brücke quere ich den Rhein und fahre nach Wiesbaden.
Vorher sehe ich jedoch etwas, worüber ich lachen muss. Eine Frau spaziert mit 12 großen Hunden an diversen Leinen, die alle an einem dicken Gürtel baumeln. Hoffentlich jagen die keiner Taube hinterher, denke ich. Unser Hund macht sowas…
In Wiesbaden suche ich die weltgrößte Kuckucksuhr, die laut meiner Radkarte dort steht. Ich finde sie nicht, und frage mich, wie man das „Weltgrößte“ von etwas übersehen kann. So wichtig ist mir die Kuckucksuhr am Ende doch nicht, also fahre ich weiter. Das Landschaftsprofil wird welliger und am Horizont glitzern schon die drei Türme des Großen Feldbergs, der „Hausberg“ bei meinen Großeltern im Hintertaunus.
Eine Frau fragt mich, wohin ich unterwegs sei.
„Afrika“, sage ich.
„Komm danach doch hier in Rambach vorbei und mache einen Vortrag“, schlägt die Frau vor. „Ich würde sofort zuschauen.“
Wer weiß, vielleicht passiert das ja…
Die tiefstehende Sonne färbt die Landschaft gelb und orange. Bald tauche ich in einen düsteren Tannenwald ab. Der Boden ist hier noch gefroren. Kurz darauf bedecken Eisplatten den Weg. Ach was, denke ich, und rolle über die Eisfläche. Doch der Untergrund ist leicht geneigt und schon rutsche ich weg und lande auf meinem Hintern. Ich trage einen blauen Fleck davon – mehr zum Glück nicht.
Die Sonne geht unter. Ich nehme um so deutlicher das Knistern der Blätter und das Knirschen der Kieselsteine unter meinen Reifen wahr. Ich fahre meinem Lichtkegel hinterher. Ein letzter Anstieg noch, dann habe ich es geschafft! Ich stehe vor dem Haus meiner Großeltern in Usingen.
Drinnen erwarten mich Oma und Opa – und Überraschungsbesuch! Susanne, eine Freundin meiner Großeltern, ist aus den USA zu Besuch gekommen. Oma tischt einen köstlich duftenden Filettopf auf und nach etwas über 100 Kilometern und 1300 erklommenen Höhenmetern ist der Appetit entsprechend groß. Dass ich dieses leckere Essen mit meinen Großeltern genießen kann, ist für mich das Schönste an diesem Tag, der mich mit einem breiten Lächeln zurücklässt.

