Ich sitze wieder auf dem Fahrrad, endlich! Von Arnstorf fahre ich in Richtung Osten, an die Donau. Dort werde ich durch Passau und Linz in Richtung Wien fahren. Von Wien möchte ich nach Süden durch das Burgenland bis an die Adria radeln. Und von dort soll mich meine Reise nach Griechenland führen.
Das Wetter könnte nicht besser sein: die Sonne scheint, die Temperatur liegt um die 15° und der Wind ist mir auch freundlich gesinnt und schiebt von hinten kräftig an. Auf den ersten Kilometern aus Arnstorf heraus fährt eine Gruppe von Schülern hinter mir her. Ich höre sie reden und schreien und lachen, doch nach wenigen Kilometern sind sie verschwunden.
Ich fahre an der Vils entlang, ein kleiner Fluss, dessen Uferböschungen von weißen Frühlingsblümchen geschmückt werden. Nach etwa zwei Stunden erblicke ich die Donau. Ich fahre Fluss abwärts in Richtung Passau, der Stadt am Zusammenfluss der Donau mit der Inn.
Ein Schild am Donauradweg weist darauf hin, dass ich auf Flugzeuge aufpassen muss. Die Landebahn des Sportflughafens liegt direkt an der Donau. Und während ich das Schild betrachte, schwebt schon das erste Flugzeug nur wenige Meter über meinen Kopf hinweg und setzt auf der Landebahn auf. Wenn ich in der Nähe aufgewachsen wäre, hätte ich als Kind bestimmt viele Stunden genau hier an dieser Stelle verbracht.
Nochmals 2 Stunden später, etwa gegen 17:00 Uhr, tauchen vor mir die Kirchtürme von Passau auf. Ich fahre eine Schleife durch die Altstadt und setze meine Reise schnell wieder fort: Passau ist eine schöne Stadt, aber ich möchte noch im hellen einen Zeltplatz finden und kochen. Um kurz nach 18:00 Uhr entdecke ich einen ruhigen Anlegeplatz für Kajakfahrer, an dem die Reste verkohlter Feuer von früheren Besuchern zeugen. Eine Birke lässt ihre Äste majestätisch über das Wasser hängen. Neben dieser Birke baue ich mein Nachtlager auf.
Als mein Zelt steht, bereite ich mir Nudeln mit Pesto zu. Es ist schon dunkel, als ich anfange zu essen.
Nach dem Geschirrspülen muss ich nur noch meine Zähne putzen und ein paar Dehnübungen machen. Über dem Zelt hat sich in der Zwischenzeit der Sternenhimmel breitgemacht und ein halber Mond klettert empor. Die Nacht ist friedlich. Kein Wind weht, keine Wellen schlagen ans Ufer der Donau. Ich hatte einen guten Tag, jetzt wünsche ich eine gute Nacht

