Tag 67: Ein herrliches Frühstück

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Hermines Frühstück wirkt wahre Wunder. Sie tischt allerlei Köstlichkeiten auf: Eine Wurst- und Käseplatte, Brötchen, selbstgemachte Marmelade und ein Honig von der örtlichen Imkereischule. Außerdem gibt es ein Schälchen mit Tomaten, Paprika und Gurke, frisch gepressten Orangensaft und knackige Weintrauben. Und damit mir beim Radfahren die Energie nicht ausgeht, bereitet Hermine auch noch ein super Hafer-Porridge zu. Was werde ich hier verwöhnt!

Während ich frühstücke, unterhalte ich mich mit Hermine und Karl.

Karl hatte früher einen Handel für Landmaschinen. “Es sind seltsame Zeiten”, sagt er, und erzählt von Lehrlingen, die nur 20 Stunden die Woche arbeiten wollen und Patienten, die dem Arzt ihre eigene Diagnose erklären. 

Die Tochter ist Medizinerin und hatte mal eine Patientin, die von vornherein die Diagnose in allen Feinheiten wusste. Auf die Frage, woher sie das denn wisse, sagte die Patientin: Ich bin Lehrerin.

Hermine erzählt von ihren Wanderungen auf dem Camino von Porto nach Santiago de Compostella. 

Eine Wanderung durch Portugal würde ich auch mal gerne machen.

Bevor ich weiterfahre, mache ich mit Hermine und Karl noch eine Erinnerungsfoto. Der kräftige Wind, der die ganze Nacht ums Haus gepfiffen hat, weht uns auch dabei noch ins Gesicht. 

Ich habe die halbe Nacht gezittert und gebangt, ob mein Zelt bis zum Morgen stehenbleibt.

Ich hatte es am Abend nicht mehr abgebaut und mit nur drei Heringen abgesichert, da ich nicht dachte, dass es so stürmisch werden wird.

Zum Glück hat das Zelt alles überstanden, eine Sturmtaufe sozusagen. 

Karl meint, dass ein Windgeschwindigkeitsmesser am Haus in der Nacht Spitzengeschwindigkeiten von etwa 50 KmH gemessen hat. Auf den Bergen wurden wohl Böen über Hundert gemessen.

Die Folgen sehe ich etwas später, als ich durch ein Waldgebiet fahre. Die Bäume liegen kreuz und quer, hauptsächlich Kiefern, und ich muss mein Fahrrad über etliche umgestürzte Stämme tragen. Das macht bei knapp 50 Kilo Gewicht ordentlich Muskelkater im Bizeps!

Ein Waldarbeiter fragt mich, warum ich das mache. Ich sage, da muss man halt jetzt durch, ich kann mir das Wetter nicht aussuchen. Der Mann fragt zurück: warum? Ich denke, er war besorgt, dass ich von einem herabstürzenden Ast getroffen werde. Man weiß am Anfang leider nicht immer, wie es am Ende aussieht. Ein anderer Wald wäre vielleicht noch gefährlicher gewesen. Und irgendeinen Wald musste ich durchqueren, ob ich wollte oder nicht, da ließ mir die Geographie nichts anderes übrig. Ich war jedenfalls froh, als ich den Wald sicher passiert hatte.

Am Nachmittag ist meine Radstrecke auf einmal gesperrt und ich treffe auf zwei Polizisten. “Hier war gerade ein schwerer Unfall und deshalb haben wir die Wege gesperrt”, erklärt der Polizist und fragt: “Wo willst du denn mit dem Radel hin?”

Wir plaudern kurz über meine Reise und die Polizisten wünschen mir alles Gute. Sie lassen mich an der Absperrung vorbeifahren. Der Rettungshubschrauber ist schon auf dem Weg in die Klinik. 

Abends zelte ich in einem kleinen Dorf namens Neustift. Auf einer weichen Wiese baue ich neben der gelb angestrichenen Kapelle mein Zelt auf. Es ist nicht mehr windig und ich schlafe wie ein Stein. Kaum habe ich die Augen zugemacht, ist es schon wieder morgen!

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