Tag 68: Willkommen in Slowenien

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Heute führt mich meine Strecke bis in den südöstlichsten Zipfel Österreichs, der nach Slowenien hineinragt. Dort fahre ich durch das Thermendorf Bad Radkersburg. Von dort aus führt mich meine Strecke wieder etwas Richtung Westen, entlang der Mur. Nach etwa 20 km überquere ich die Mur und stehe zum ersten Mal in Slowenien. 

Ein gutes Stückchen vom Weg entlang der Mur begleitete mich eine ältere Dame aus der Nähe von Graz. Sie war auf ihrem Fahrrad (ohne E Motor) unterwegs und dachte zunächst, ich sei auf dem Weg nach Salzburg. In diese Richtung führt nämlich der Mur Radweg. Als ich von meinem Vorhaben, nach Afrika zu fahren erzähle, ist die Frau begeistert. “Das ist ja eine tolle Tour!”

Ob ich denn schon nette Leute kennen gelernt habe, fragt sie mich. 

Ja, sage ich, und erzähle von Karl und Hermine, die mich am Vortag beherbergt haben. 

“Das ist ja schön, dass es nich so nette Menschen gibt”, sagt die Frau. “Eigentlich finde ich, dass wir Österreicher immer so grantig sind. Es kann uns nicht schnell genug geben, das sieht man immer wieder an der Supermarktkasse. So unfreundlich… Aber deine Erfahrung zeigt doch, es gibt noch viele liebe und gute Menschen.”

“Warum denken Sie denn, dass die Österreicher, oder auch die Deutschen, einen Ruf als Miesepeter haben?”, frage ich die Frau. 

“Ich glaube, es waren die Kriege”, sagt sie. “Das, was damals erlebt wurde, war einfach grauenhaft. Und danach kamen hier in die Steiermark die Russen. Die haben vergewaltigt, was sie nur kriegen konnten. Ja, ich glaub sowas hat die Menschen verändert.”

Ich werde auf meiner Reise noch durch Gebiete fahren, die noch vor wenigen Jahren im Krieg waren. Ich frage mich, welchen Eindruck die Menschen auf mich machen werden. 

Mein Nachtlager schlage ich neben einem See auf. Ein frischer Wind zeichnet Muster auf der Wasseroberfläche. Es ist kalt. Schnell ins Zelt!

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