Überraschung von oben

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Sechzehnter Wandertag
Llanuces – Proaza (30 Km)

Ich stehe um 8:30 Uhr auf, bereite bei bayerischem Himmel meine Haferflocken zu und laufe um kurz vor zehn los. Es geht einen steilen Trampelpfad den Berg hinauf. Wieder einmal schlage ich mich durch Farnen und Brombeerhecken durch.

Die zackigen Felsen thronen über mir und schauen unbewegt zu, wie ich kleiner Wanderer mühsam meinen Weg durch das Gestrüpp bahne. Über mir ziehen die Gänsegeier ihre Kreise in der Thermik.

Gegen Mittag verweht der Wind die letzten Wolkenfetzen und die Sonne strahlt auf die grüne Bergwelt hinab. Alles leuchtet. Der Wind ist angenehm und frisch, und streichelt wohltuend die blutigen Kratzer an meinen Beinen.

Die halbwilden Pferde sind ganz zutraulich und möchten von mir gekratzt werden. Kein Wunder, schwirren doch hunderte Fliegen um ihre Köpfe, und haben sich Kletten von den Pflanzen in ihren Mähnen verfangen.

Ich begegne einer Bauernfamilie, die oben am Berg ein großes Gelände freiräumt und das Gras mäht. „Am 15. August ist hier eine große Feier“, erzählen Sie mir, „zu Ehren der Jungfrau von Alba, die Heilige im Tal.“

Ich solle hoch zu der Kapelle laufen, die oben auf dem Berg steht.

Dem Volksmund zufolge, wurde diese eigentlich im Tal gebaut, doch alle Arbeiten, die im Tal erledigt wurden, standen über Nacht auf einmal am Gipfel. So schlussfolgerten die Menschen, dass die heilige Jungfrau ihre Kapelle wohl lieber am Berggipfel stehen haben wollte. Und so baute man die Kirche näher am Himmel.

Heute stehen an der Kapelle drei schwarze Holzkreuze, die ein grünes und fruchtbares Tal überblicken.

Unten im Tal verläuft eine ehemalige Eisenbahnlinie, zu der ich nach einer langen Pause absteige. Weiter unten ist es deutlich wärmer, die Feigen sind schon fast reif und die Pflaumenbäume sind reichbestückt mit süßen Früchten. Ich lasse es mir gut gehen, und stille mit den Früchten meinen Wanderhunger.

10 Kilometer und einige Eisenbahntunnel später (diesmal nicht überflutet) stehe ich in Proaza. Dort baue ich mein Zelt neben den Bomberos, der Feuerwache, auf. In der Ferne sehe ich einen Hubschrauber, der immer näher kommt. Er fliegt im Sinkflug direkt auf mich zu! Hat er die Kontrolle verloren? Hier stand nichts von einem Landeplatz. Erst 20 Meter vor mir bremst der gelbe Heli ab. Staub wirbelt zum Himmel, mein Zelt flattert und vier Feuerwehrleute in voller Montur springen aus dem Hubschrauber und rennen vornübergebeugt unter den Rotorblättern durch.

Einen Augenblick später beschleunigen die Rotorblätter wieder, der Pilot schenkt mir ein Lächeln und einen Daumen hoch, und dann dreht sich der Heli wie ein Korkenzieher in die Luft.

Kein schlechter Arbeitsweg. Helifliegen macht bestimmt Spaß!

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