Warum fahre ich nach Afrika?

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Diese Reise beginnt mit meiner Oma Irmgard. Sie brachte mich auf die Idee. 

Vor etwa einem Jahr, im Januar 2025, zeigte mir Oma Irmgard einen Bericht über einen mir bis dahin unbekannten Verwandten namens Hieronymus Baumeister, der als erster deutscher Missionar von 1880 bis 1898 in Zentralafrika lebte. 

Mich packte die Geschichte des Hieronymus, und ich begann von einem eigenen Abenteuer zu träumen, das mich auf den Spuren meines Ur-ur-ur Onkels nach Zentralafrika führen sollte. Natürlich haben sich die Zeiten seitdem geändert, und ich bin auch kein Missionar. Aber auf meine eigene Art (per Fahrrad) wollte ich diese große und gewagte Reise einmal nachzeichnen. 

Wer war eigentlich Hieronymus Baumeister? Der Bericht, den meine Großmutter mir zeigte, verrät einige Details:

Hieronymus wurde 1831 in Unsleben bei Neustadt im Bistum Würzburg geboren. Er war das jüngste von sechs Geschwistern, drei Schwestern und zwei Brüder. Als er fünf war, verstarb sein Vater. Als er 25 war, verlor Hieronymus seine Mutter. Er beschloss, ins Kloster zu gehen, lebte in unterschiedlichen Klöstern im Elsass, erlernte das Müllerhandwerk. Doch wie er selbst festhält: „Es wollte mir aber nirgends recht gefallen“.

1868 dann die Wende, als Besuch aus Algerien im Kloster eintraf:

„Damals kam nun ein Priester von Algier, der für den Erzbischof Lavigerie Laienbrüder     suchte. Sogleich meldete ich mich an, denn das war es, was ich suchte und wünschte.“

Bruder Hieronymus reiste nach Algier, eine Stadt, die damals von einer schrecklichen Hungersnot heimgesucht wurde. Hieronymus hält fest:

Gegen 60 000 Araber waren an der Cholera gestorben […].

In endlosen, dichten Schwärmen kamen dann die Heuschrecken […].

Der fünfte Teil der Bevölkerung verstarb. 

Auch Hieronymus erkrankt schwer, doch er erholt sich und erhält am 28. August 1870 das weiße Ordenskleid der Laienbrüder. 

Hieronymus bleibt jedoch eine rastlose Natur. Nach 11 Jahren in Algier verlässt er 1879 Algerien mit der zweiten Afrikakarawane und begibt sich auf die Reise nach Zentralafrika. Zur großen Belustigung seiner Mitreisenden trägt das Gepäck des Hieronymus bei: Darin befinden sich nämlich 60 Kilo Eisen, um einen Pflug zu bauen. Per Schiff geht es nach Djeddah in Arabien und von dort weiter nach Sansibar, vor der Küste Tansanias. Als die Karawane das Festland erreicht, beginnt ein drei Monate währender Trek nach Innerafrika, zum Tanganjikasee. Dabei kommen etliche Mitglieder der Karawane um, darunter auch Max Blum, der Neffe von Hieronymus, der bei einem Überfall ermordet wird. 

Im Juni 1880, fast ein ganzes Jahr nachdem Hieronymus Algerien verlassen hat, erreicht er Urundi am Nordufer des Tanganjikasees. Und obwohl es keiner für möglich gehalten hatte: Auch die 60 Kilo Eisen erreichen zusammen mit Hieronymus den Tanganjikasee. Er wird zum ersten deutschen Afrikamissionar in Zentralafrika und wirkt dort bis zu seinem Tode im Jahr 1898. Sein Pflug aus dem Eisen, wegen dem Hieronymus auf seiner Fahrt so belächelt wurde, sicherte das Überleben der frühen Missionare.

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